23.04.2018

Wissenschaft ist keine Meinung (und Marmelade keine Wissenschaft)

Wissenschaft. Das bedeutet langes Forschen und genaues Lernen z. B. über die Erde, Geschichte, das Weltall oder Sprachen. Die Ergebnisse werden hauptsächlich über Universitäten veröffentlicht und gelehrt. Menschen in der Wissenschaft erarbeiten also Wissen für uns alle. Bedeutet das, dass diese Ergebnisse automatisch wahr sind?


March for Science

© March for Science Germany

„Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, dass Marmelade Obst enthält, Obst enthält." Kennst du die Zeile aus dem Kinderlied? Das klingt witzig und lässt sich schön laut schmettern. Obwohl es scherzhaft verfasst ist, kann es dir etwas über den Umgang mit Wissenschaft erklären. Natürlich wird in der Ernährungswissenschaft viel Komplizierteres erforscht, als die einfachen Zutaten von Marmelade. Spannend ist aber, was wir aus dem spaßhaften Ergebnis „Marmelade enthält Obst" folgern. Heißt das etwa, sie ist gesund? Bevor du wie im Lied eimerweise Marmelade isst, lass uns zuerst einmal weiter forschen.

Platt wie die Erdkugel?

Wissenschaften gehen immer Fragen aus ihren Bereichen nach. Ihre Ergebnisse sind fast nie für alle Zeit fertig und endgültig. Ihr Ziel ist aber immer die Wahrheit. Ergebnisse können also belegt und bewiesen werden. Das unterscheidet sie von Meinungen. „Ich bin der Meinung, die Erde ist eine Scheibe". Darüber würden wir alle kichern, auch wenn wir nicht an der Universität forschen, oder?

Genauso wichtig wie Wahrheit ist für Wissenschaft die Freiheit. Und hier wird es für unsere ausgedachte Marmeladen-Wissenschaft spannend: Wir würden bestimmt nicht wollen, dass ein Marmeladen-Unternehmen diese Forschung in Auftrag gegeben und bezahlt hat. Das Ergebnis einer Forschung sollte immer offen, also unbeeinflusst, sein. Dann kann kreativ geforscht werden – nicht selten wurde in der Vergangenheit so etwas ganz anderes entdeckt, als ursprünglich gefragt war.

March for Science: „Von der Straße in die Köpfe"

In vielen Ländern der Welt steht genau das gerade in Gefahr: Die Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaften. Einige Menschen besorgt zum Beispiel, dass der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika im letzten Jahr behauptete, der Klimawandel sei ein Schwindel. Seiner Meinungsäußerung wollte er Taten folgen lassen: Forschungseinrichtungen sollten weniger gefördert werden. Das war ein Auslöser dafür, warum im April 2017 und gerade wieder im April 2018 viele Menschen – auch Schülerinnen und Schüler oder junge Studierende – auf die Straße gegangen sind. „March for Science", also „Marsch für die Wissenschaft" ist der gewählte Name für die Demonstrationen.

Auch in Frankfurt, Kassel und Darmstadt gab es Veranstaltungen und Kundgebungen. „Den Naturgesetzen ist es egal, ob du an sie glaubst oder nicht" war ein Slogan der Bewegung in Deutschland. Und Peter Feldmann, der Oberbürgermeister von Frankfurt kommentierte: „Ich bin stolz, dass es in Frankfurt/Main einen March for Science gibt!"

March for Science Kundgebung in Frankfurt am Mainz, April 2018
© March for Science Germany

Weitergucken, hinterfragen, Neues erforschen!

Auch unser Wissenschaftsminister Boris Rhein befürwortete den „March for Science" in Hessen. Er hat betont, wie wichtig gute Studien- und Forschungsbedingungen für unabhängige Wissenschaften sind. Forschung ist sehr aufwendig und teuer. In Hessen gibt es deshalb den sogenannten Hochschulpakt zwischen der Landesregierung und den Hochschulen. „Der Hochschulpakt ist ein Meilenstein für den Wissenschaftsstandort Hessen und garantiert den Hochschulen des Landes Hessen über seine Laufzeit von fünf Jahren eine finanzielle Ausstattung von neun Milliarden Euro. Das ist die größte Summe, über die die Hochschulen in Hessen jemals verfügen konnten", sagte der Minister.

Meinungen können aufgetischt werden. Wie Marmelade. Aber freie Forschung kann dir mehr beibringen als ein solcher (Obst)brei. Es lohnt sich immer, weitergucken zu können, zu hinterfragen und Neues zu erforschen. „Tellerand? Da schau ich drüber!", malte sich der March for Science deshalb auf seine Schilder.

 

 

 



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